Mittwoch, 2. Februar 2011

Analyse der Winter-Verkehrsprobleme

Kritische Infrastruktur: Bundesverkehrsminister Ramsauer legte Mitte Januar eine erste Analyse der Verkehrsbeeinträchtigungen durch die strengen winterlichen Verhältnisse im Dezember vor. In dem 26 Seiten starken Dokument geht er auf die Situation auf Straßen, Schienen, Schifffahrtswegen und im Luftverkehr ein und berichtet über bereits ergriffene und geplante Maßnahmen zur Verbesserung.

RamsauerEs gäbe keine Vollkasko gegen winterliche Verkehrsbehinderungen, das Wetter dürfe aber auch keine Ausrede für vermeidbare Verkehrsstörungen sein, so das Fazit von Ramsauer. Er berichtet über die wichtigsten Verkehrsstörungen und -behinderungen sowie über die Maßnahmen, die zur Vorsorge und zur Behebung akuter Störungen ergriffen worden sind. Der berechtigten Frage, wie es trotz dieser Maßnahmen zu den vielfältigen Behinderungen und Ausfällen kommen konnte, wird soweit nachgegangen, wie dies nach jetzigem Kenntnisstand möglich ist:

Straßenverkehr:
Die Streusalzbevorratung ist vielerorts noch zu knapp bemessen, Abhilfe soll durch zusätzliche Bereitstellung von Lagerkapazität oder Erweiterung und Sanierung schon bestehender Möglichkeiten. Die Möglichkeit einer Salzversorgung aus Südamerika wird aktuell geprüft um Lieferengpässen zu begegnen.
Durch die neu geregelte Winterreifenpflicht sollen Verkehrsbehinderungen vermieden werden. Dass diese bei LKWs nur für die Antriebsachse gilt wird damit begründet, dass LKW-Reifen einen höheren Naturkautschukanteil hätten und somit griffiger sind als PKW-Reifen [was viele LKWs aber nach wie vor nicht davon abgehalten hat sich quer zu stellen und ganze Autobahnabschnitte zu blockieren, Anm. d. Autors].

Eisenbahn:
Die Bahn konnte bei den winterlichen Verhältnissen ihren Service nur mit einer hohen Rate an Unpünktlichkeit erbringen [wobei die Zustände erheblich schlimmer waren als der Bericht suggeriert, da in diesem die Mittelwerte für den kompletten Dezember angegeben sind. Zu Spitzenzeiten waren offenbar nur 20% der Züge pünktlich. Anm. d. Autors]. Grund sind einerseits technische Mängel und fehlende Züge, andererseits auch ein deutlich erhöhtes Fahrgastaufkommen durch Behinderungen im Luft- und Straßenverkehr. Es besteht ein erheblicher Investitionsbedarf um die Situation zu verbessern, der wohl nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann.
Besonderes Augenmerk wird auch auf die Berliner S-Bahn gelegt, die wegen technischer Mängel an ihren Zügen häufig nur einen Notfahrplan aufrechterhalten konnte.
Ein ganzes Paket an organisatorischen Maßnahmen zur Verbesserung wird vorgestellt.

Schiffsverkehr:
Durch Eisbildung war sowohl die See- als auch die Binnenschifffahrt behindert, jedoch nicht mehr als üblich. Dem wurde durch den verstärkten Einsatz von Eisbrechern begegnet.

Luftverkehr:
Im Luftverkehr kam es zu Verspätungen und Flugausfällen durch die Vereisung von Flugzeugen und Bewegungsflächen auf den Flughäfen, wobei zehn Tage der ersten Winterhälfte als besonders kritisch einzustufen sind. Die Flughäfen hatten sich jedoch gut auf die winterlichen Verhältnisse vorbereitet. In Einzelfällen kam es zu Nachschubschwierigkeiten bei Enteisungsmitteln, u.a. bedingt durch witterungsbedingte LKW-Fahrverbote, die jedoch dann vom Verkehrsministerium aufgehoben wurden. Die Flughäfen Frankfurt und München wurden durch Wetterberater des Deutschen Wetterdienstes vor Ort unterstützt.

Ähnliche Artikel:
- Wetteranfälligkeit der Bahn (15.01.2011)
- Informationen zur Vulkanaschewolke (21.04.2010)
- Alle Beiträge der Rubrik Kritische Infrastruktur

Quellen:
Bericht "Verkehr in Deutschland im Winter 2010/2011" des Bundesminsiteriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
BMVBS website
Pressemeldung des Bundestags
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Foto: BMVBS/Fotograf: Frank Ossenbrink

Dienstag, 1. Februar 2011

Innenminister schwächt Terrorwarnung ab

Terrorismus: Bundesinnenminister de Maizière hat in einer heutigen Stellungnahme angekündigt, die Polizeipräsenz zur Terrorabwehr zurück zu fahren. Grundlage sei eine neue, weniger dramatische Einschätzung der Gefährdungslage.

Seit 17. November 2010 galt in Deutschland höchste Terrorwarnstufe. Grund hierfür waren die Bombenfunde in Luftfrachtpaketen auf deutschem Boden, Warnungen ausländischer sowie Erkenntnisse eigener Nachrichtendienste, dass noch für November ein Terroranschlag in der Bundesrepublik geplant sein könnte.

Diese Befürchtungen haben sich etwas abgemildert, wobei keineswegs von einer Entwarnung gesprochen werden könne. Die Sicherheitsbehörden, so de Maizière, behielten sich "neben verdeckten Maßnahmen ausdrücklich vor, gemeinsam mit den Ländern situations- und lageangepasst jederzeit wieder verstärkt auch mit öffentlichkeitswirksamer Präsenz auf besondere Bedrohungen oder bestimmte Gefährdungspotentiale und Gefährdungsspitzen zu reagieren - sei es bundesweit oder nur regional und temporär."

Kommentar:
Dieser Schritt war eigentlich zu erwarten: eine dauerhafte, maximale Sicherheitsstufe ist kaum durchzuhalten. Erstens sinkt mit der Zeit die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, und zweitens müssen auch Polizistinnen und Polizisten mal Urlaub machen. Wollen wir hoffen, dass es keine Terrorkommandos gibt, die genau auf diesen Schritt gewartet haben...

Verwandte Beiträge:
- Konkrete Terrorgefahr in Deutschland (19.11.2010)
- HEIKAT - Handlungsempfehlung bei Terrorverdacht (21.11.2010)
- Alle Artikel der Rubrik Terrorismus

Quelle:
Statement von Minister de Maizière

Samstag, 29. Januar 2011

Analytische Task Force: Infos für Einsatzleiter

C-Gefahren: Analytische Task Forces (ATF) sind spezialisierte Einsatzeinheiten des Bundes für C-Gefahrenlagen. Sie können gefährliche Stoffe identifizieren und messen, und führen Experten mit sich welche die Einsatzleitung bei Ihren Maßnahmen beraten kann. In einer Broschüre für Einsatzleiter informiert das BBK über die technischen und personellen Möglichkeiten und die Alarmierungswege der ATF.

ATF werden in Deutschland an sieben Standorten vorgehalten: Berlin, Dortmund, Hamburg, Heyrothsberge (Sachsen-Anhalt), Köln, Mannheim und München. Kernstück ist der Gerätewagen ATF, ein mobiles Chemielabor mit ausgefeilter Analysetechnik sowie dem zugehörigen Fachpersonal. Die ATF gehören zur Versorgungsstufe 4 gemäß der "Neuen Strategie zum Schutz der Bevölkerung".

In der erwähnten Broschüre erhalten Einsatzleiter umfassende Informationen über die technischen Möglichkeiten der ATF, einsatztaktische Besonderheiten (Vorlaufzeit, benötigte Resourcen vor Ort), sowie insbesondere die Alarmierungswege, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

Die Broschüre kann auf der Homepage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe heruntergeladen (pdf-Version) oder als Druckversion bestellt werden. Hier ist auch der Fax-Vordruck (pdf) für die Anforderung der ATF verfügbar.

Verwandte Beiträge:
- "Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung" wieder verfügbar (21.01.2011)

Mittwoch, 26. Januar 2011

Erster Einsatz für einen Fachberater Hochwasserschutz in Bayern

Wassergefahren: Beim Hochwasser der Naab in der Oberpfalz kam erstmals seit Einführung ein Fachberater Hochwasserschutz zum Einsatz. Er unterstützte den Krisenstab für den südlichen Landkreis Schwandorf.


Durch die plötzlich einsetzende Schneeschmelze stieg der Donauzufluss Naab bis auf das Niveau eines 50jährigen Hochwassers an. An einzelnen Pegeln wurden bisher nicht dagewesene Wasserstände gemessen. Es kam zur großfächigen Überflutung von bewohntem Gebiet; teilweise waren Siedlungen von der Außenwelt abgeschnitten.

Zur Unterstützung des Krisenstabs für den südlichen Landkreis Schwandorf kam erstmals seit der Einführung dieser Qualifikation in Bayern ein Fachberater Hochwasserschutz zum Einsatz. Vorabgespräche zwischen Fachberater Philipp Wolf von der Kreiswasserwacht Schwandorf, Kreisbrandinspektor Thomas Schmidt und Kreisbrandmeister Markus Dechant über die Meldungen des Hochwassernachrichtendienstes Bayern (HND) führten zur Einberufung des Krisenstabs. Die Hauptaufgabe des Fachberaters bestand darin, die Prognosen des HND zu interpretieren und bei der Erstellung der Lagekarten, insbesondere der überfluteten Flächen zu helfen. Desweiteren übernahm er beratende Funktion bei Fragen der Sicherheit der Einsatzkräfte: so war beispielsweise zu klären ob Hilfskräfte mit Waathosen in überschwemmte Strassen zu geschickt werden konnten oder ob hier spezielle Einsatzkräfte wie der "Wasserretter" der Wasserwacht eingesetzt werden müssen.

Ebenso konnten wertvolle Tipps beim Sandsackverbau an Türen und Fenstern gegeben werden. Bei einer geplanten Errichtung eines "Sandsackdammes" zum Schutz einer Strasse war ebenfalls eine Lageeinschätzung des Hochwasserschutzberaters gefragt. Eine weitere Aufgabe war die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Hilfsorganisationen einzuschätzen und dem Einsatzleiter darzulegen, sowie mit dem Krisenstab zusammen die Abwehrmaßnahmen zu planen.

Mit Spannung wird unterdessen die noch ausstehende offizielle Funktionsbeschreibung für den Fachberater Hochwasserschutz erwartet, die sich noch in der Feinabstimmung der öffentlichen Stellen befindet.

Ähnliche Artikel:
- Wasserwacht bildet Fachberater Hochwasserschutz aus (02.04.10)
- Vorsorgemaßnahmen bei Hochwasser (08.01.11)
- Alle Artikel der Rubrik Wassergefahren

Mehr Infos zum Fachberater Hochwasserschutz:
Universität der Bundeswehr, München

(Fotos vom 15.01.11 aus dem Bereich des Fronberger Wehrs in Schwandorf, M. Dittmar)

Sonntag, 23. Januar 2011

2010 wärmstes Jahr der Geschichte

Naturkatastrophen: Das vergangene Jahr 2010 ist nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) das wärmste der Geschichte. Die Durchschnittstemperaturen lagen um 0,53°C über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Der diesjährige strenge Winter darf nicht über das Fortschreiten der Klimaerwärmung hinwegtäuschen.

Nach den Beobachtungen der WMO liegen die Temperaturen von 2010 noch unsignifikant über denen der Rekordjahre 1998 und 2005. Damit waren die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen allesamt seit 1998 zu verzeichnen. Gleichzeitig war die arktische Eisdecke laut WMO in 2010 so gering wie in keinem Jahr zuvor.

Die WMO ist eine Argentur der Vereinten Nationen mit dem Auftrag Status und Entwicklung des Klimas sowie dessen Einfluss auf den Wasserhaushalt der Erde zu untersuchen und zu dokumentieren.

Auch strenge Winter in Europa können also nicht darüber hinwegtäuschen, dass die globale Erwärmung anhält.

Ähnliche Artikel:
- 2010 - Ein Jahr der Naturkatastrophen (04.01.2011)
- Alle Beiträge der Rubrik Naturkatastrophen

Quellen:
Pressemeldung vom 20.01., WMO website

Donnerstag, 20. Januar 2011

"Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung" wieder verfügbar

Nachricht: Die 2. Auflage von Band 4 der Schriftenreihe: WissenschaftsForum, „Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“, steht ab sofort zur Verfügung.

In der Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 und der Hochwasserlagen von 2002 hatte die Konferenz der deutschen Innenminister und -senatoren (IMK) noch im Jahre 2002 die so genannte „Neue Strategie zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland“ als neues politisch-strategisches Rahmenprogramm des Bevölkerungsschutzes beschlossen. Ziel dieser Strategie, die bis heute die Grundlage des neuen Verständnisses im Bevölkerungsschutz unseres Landes darstellt, ist die optimierte Zusammenarbeit von Bund und Ländern bei der Vorbereitung und Bewältigung von national bedeutsamen Gefahren- und Schadenlagen.

Die Strategie enthält eine ganze Reihe von Entschlüssen, die die Entwicklung im Bevölkerungsschutz in den letzten Jahren entscheidend geprägt hat und dies auch in nächster Zukunft tun wird. Genannt seien hier etwa die neu definierten Versorgungsstufen bei MANV / Großschadensereignissen oder die Task Forces.

Nachdem die Schrift eine Zeit lang vergriffen war ist nun wieder eine aktualisierte Druckversion verfügbar. Sie kann auf den Seiten des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bestellt werden. Natürlich gibt es auch eine pdf-Version zum download.

Montag, 17. Januar 2011

Neuauflage Handbuch betriebliche Pandemieplanung

Notfallvorsorge: Die alljährlich auftretende saisonale Grippewelle ist wieder da. Auch wenn sie keine Pandemie ist, so erinnert sie uns daran, dass eine Grippepandemie für viele Unternehmen weit reichende Folgen haben kann, zum Beispiel wenn viele Mitarbeiter erkranken oder Kunden ausbleiben. Aus diesem Grund bringt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zusammen mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart (LGA) eine Neuauflage des Handbuches „Betriebliche Pandemieplanung“ heraus. Das Buch soll Unternehmen für den Pandemiefall sensibilisieren und sie bei der Erarbeitung von betrieblichen Pandemieplänen unterstützen.

In das Werk gingen die Erfahrungen der H1N1-Pandemie von 2009 mit ein.

Die Neuauflage kann kostenlos beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe per E-Mail unter bestellservice@bbk.bund.de bestellt werden.

Online steht es auf der BBK-Internetseite: Handbuch Betriebliche Pandemieplanung - zweite erweiterte und aktualisierte Auflage (pdf/2959-KB) und ab dem 10.01.2011 unter: www.gesundheitsamt-bw.de zur Verfügung.

Ähnliche Artikel:
- Jede zweite deutsche Firma ohne Pandemieplan (08.09.2010)
- Empfehlungen für Pandemie-Management im Rettungsdienst (22.03.2010)
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